Wir haben    die Nase 

das zweite Dutzend voll:

 "The  Second Dozen"

USA-Südwesten 2004  

Ein Reisebericht von Hartmuth

                                                                         ACHTUNG: Blau umrandete Bilder laden ein, angeklickt zu werden ! 

 

Unsere Route

 

1. Tag: 

Köln-London - 

Los Angeles,CA - 

Las Vegas,NV

Anita und Harry beim Einchecken 

Wieder mal ist Reisetag und es soll zu unsere 24. USA-Tour sein. Nur nicht verschlafen! Und somit reißt uns zwischen 3.00Uhr und 3.30Uhr in der Nacht eine Batterie von Weckern aus der viel zu  kurzen Schlafphase. Wir sind zunächst damit beschäftigt, jedem einzelnen Wecker und insbesondere uns noch eine kurze Snooze-Phase zu gönnen, aber irgendwann gibt es kein "nur noch 5 Minuten" und so quälen wir uns aus dem Bett.

Um 4.30Uhr steht Mike mit seinem Taxi (= seinem Kombi) vor der Tür und fährt uns zum Köln-Bonner Flughafen. Gestern Abend haben wir im Vorabend Check-In unser Gepäck aufgegeben. Erstaunlich ist, dass der Umfang unseres Gepäckes trotz unseres Storages in Vegas  nur geringfügig kleiner geworden ist. Wieder reisen wir mit vier Taschen, allerdings sind diese erstmalig deutlich leichter als in früheren Zeiten.

Aufgrund des bequemen Vorabend Check-Ins zieren uns nun nur noch zwei Rucksäcke und das Ankommen am Flughafen ist ungleich angenehmer und ruhiger.

Die Hoffnung, am Flughafen noch gemütlich frühstücken zu können erweist sich als reines Wunschdenken:

Die ersten Lokalitäten öffnen erst um 6Uhr.

 

Ein spartanisches Frühstück am Flughafen

 

Und so bleibt uns nichts anderes übrig, als an der Bar einen letzten gemeinsamen Kaffee zu schlürfen, bevor unsere BA-Maschine mit ca. 20 Minuten geringfügig verspätet sich auf den Weg nach London macht.
An Board, nur wenige Sitzreihen vor uns, sitzt der Komiker und Kabarettist Bastian Pastewka. Wieder einmal begleitet uns die Prominenz! (Oder wir sie???)

 

Erste Eindrücke werden im Laptomfestgehalten

 

In London Heathrow angekommen müssen wir erstmalig  zum Weiterflug nicht das Terminal wechseln. Im umgebauten "Cafe` Nero" nutze ich die Zeit am Laptop, um bereits die ersten Eindrücke und Erlebnisse in die Tasten zu hacken. Aus der ersten Etage betrachten wir dabei mit einem halben Blick über den Bildschirm hinweg das rege Treiben reiselustiger Menschen aller Welt, die eifrig wie emsige Ameisen über den Boden krabbeln.

P.S. Dieser Blüte er Poesie gefällt Anita besonders, zumindest grinst sie!

 

Unser Nachbar siehnsüctig seiner Heimat entegen...

 

 

...und Anita unserer zweiten auch !

 

Der weitere Flug von London nach Los Angeles verläuft ebenso ruhig wie lang. Pünktlich starten wir, um nach 10 Stunden und 45 Minuten zum 24. Mal amerikanischen Boden unter den Füßen bzw. dem Fahrwerk zu haben.

 

Wir teilen uns auf dem Flug mit einem Amerikaner  eine Dreierbank. Neidvoll lauschen wir seinen Geschichten, wonach er den John Muir-Trail (rund 100 Meilen) schon einmal komplett erlaufen ist.

Konzetration auf das  Wesenlich: SMS + Hamburger

Das Conecting in Los Angeles verläuft im Vergleich zum Flug ereignisreicher: Während es bei der Immigration keinen nennenswerten Zwischenfall gibt und der Beamte der Einwanderungsbehörde ungewöhnlich freundlich und redselig ist, ist das obligatorische Pickup und Dropoff unseres Gepäcks chaotisch: Nachdem wir unsere Taschen  aufgenommen haben und es somit offiziell durch den Zoll bringen, erwarten wir -wie immer- dass wir es  hinter dem Zoll umgehend wieder abgeben können. Stattdessen sagt uns eine Mitarbeiterin bestimmt, wir sollen umgehend das Gepäck selbst zum Connecting-Flight, nämlich zum Schalter von American West transportieren.

Das haben wir ja noch nie gemacht und außerdem ist es eine ziemliche Strecke zu Fuß von Tom Bradley InternationalTerminal zu Terminal 1. Also geht Anita nochmals zurück und fragt beim Gepäck-Drop-Off nach, wo man ihr nun noch einmal bestätigt, dass wir das Gepäck direkt hier "Off Droppen" können. Also zurück zum Ausgangspunkt, ganze Gepäck wieder abgeben und los zu unserem Gate. Nassgeschwitzt und hungrig erreichen wir das Gate und stellen mit Erstaunen aber auch Schrecken fest: Wir sitzen exakt an der Stelle, wo wir auch Weihnachten 2002 saßen und man uns wegen Überbuchung des Fluges nicht nach Las Vegas mitgenommen hat. 

Hoffen wir, dass wir diesmal mehr Fortune haben...

Hier erledigen wir die wichtigsten Geschäfte: Trinken, Hamburger essen, in die Tasten hacken und Smsen!

 

In der Ferne erkennen wir die derzeitigen katatrophalen Waldbrände

 

Der anschließende Kurzstreckenflug ist pünktlich, flott und völlig unterbesetzt, so dass wir endlich mal eine Dreierbank für uns haben und sogar noch die Plätze aussuchen könnten. Die Ankunft, die Gepäckausgabe und der Transfer zu Alamo sind ebenfalls flott und gehen reibungslos und durchweg routiniert über die Bühne.

 

Chic: Chevrolet Equinox

 

Chic auch von der anderen Seite !

 

 

Aber dann: Alamo scheint geplündert zu sein: Es stehen kaum Autos zu Verfügung, dafür aber Warteschlangen vor den üblichen Standplätzen der Wagen. So nehmen wir, was wir erhaschen können, einen Chevrolet Equinox.

Innenausstattung: XXL 

Er scheint prima ausgestattet zu sein (die übliche amerikanische Komfortausstattung plus Außenthermometer, elektronischen Kompass, vielen Taschen, viel Platz für die Passagiere, mehrere Steckdosen) aber er hat nur einen automatischen Vierradantrieb. Das ist eigentlich nichts für mich; Ich bilde mir immer ein, Knöpfe, Schalter und Hebel zu benötigen, um dem Antriebesstrang meinen Willen aufzuzwängen.

Aber das nützt uns jetzt nichts, wir müssen mit dem leben bzw. fahren, was uns das Schicksal und Alamo zugedacht haben.

 

 

 

Unsere erste Station ist -wie fast immer- das Best Western Mc. Carron Inn, das wir -für uns ungewöhnlich- ausnahmsweise mal im Hellen erreichen.

 

ANKLICKEN: Unser Zimmer beim Räumen !

 

Wir haben -mittlerweile- das Zimmer 109, nachdem wir zunächst vergeblich Zimmer 124 und 140 hatten, jedoch am elektronischen Schloss  verzweifelten. Offensichtlich ein elektronischer Defekt. Nachdem es dem Portier schon peinlich war, dass wir bereits zum zweiten Mal vor verschlossener Tür kapitulierten mussten, fragte ich ihn, ob er denn glaubt, noch genügend Zimmer für uns zu haben. Er erwiderte den Small Talk mit "Oh yeah, this motel has more than enough rooms also for you!"

Das Chaos des Umräumens am ersten Tag hält sich heute Dank unserer ausgeklügelten Organisation und Logistik im Rahmen des Erträglichen. Nachdem wir die Taschen in der alten Welt exakt so gepackt haben, dass sich alles Equipment für die erste Trecking-Tour in einer Tasche befindet, ist die Umräumaktion schnell erledigt.

Und nun legen wir uns ins Bett und freuen uns auf das bekannte "beste Frühstück der Welt" morgen früh...

2. Tag: 

Las Vegas,NV - Peach Springs,AZ

 

 

ANKLICKEN: Beste Frühstück der Welt !

 

Nach einer angenehm verlaufenden Nacht begeben wir uns -wie schon so oft- zum für uns besten Frühstück der Welt. Alles ist wie immer: Der Bagel, den wir mit Frischkäse und Erdnussbutter bestreichen, schmeckt genauso gut wie immer, und auch der Grapefruitsaft hat den gleiche etwas dünnen aber umso im Rachen kratzenderen Geschmack. Einfach eben: Das beste Frühstück der Welt

 

ANKLICKEN: "War denn jemand in der Zwischenzeit an unserem Storage?"

 

Nach dem Auschecken begeben wir uns auf den Weg zu unsrem Storage. Wir hatten beim letzten Besuch ein Foto vom Schloss gemacht um einmal überprüfen zu können, ob sich jemand in der Zwischenzeit für das Schloss oder sogar unsere Utensilien im Storage interessiert hat. Aber alles ist so, wie wir es verlassen haben, mit einer Ausnahme. Ein Packsack ist umgefallen und unser übrig gebliebener Wasserkanister hat ein Loch und dafür kaum noch Wasser. Müßig zu recherchieren, ob der Kanister durch den umgefallenen Packsack oder evtl. durch Frost (in Las Vegas? In unserem klimatisierten Storage???) Schaden genommen hat.

 

 

ANKLICKEN: Kofferraum leer....und voll !

 

Doch zunächst beschäftigen wir uns mit unserem sukzessiv umfangreicher werdenden Equipment. Mit organisatorischem und logistischem Feingefühl sortieren wir alles Material, was eingelagert war,  aber auch das neu hinzugekommene:

Stapel 1: Equipment, was wir für unsere Trecking-Tour in den ersten Tagen benötigen

Stapel 2: Material, was wir erst nach der Trecking-Tour benötigen.

Stapel 3: Alles, was wir erst wieder auf dem Rückflug benötigen.

Stapel 4: Das, was wir erst wieder im Winter benötigen.

Während die Stapel 2 bis 4 im Storage verbleiben, verpacken wir Stapel 1 ins Auto und fahren nun endlich los...um bei Walmart den Stapel 1 um die Lebensmittel zu erweitern, die wir auf unserer Trecking-Tour benötigen.

 ANKLICKEN: Alte Tanke und Biker

Mit großer Freude sind wir dann gegen 10Uhr doch endlich "auf der Piste". Auf der Route 66 entdecken wir bei Hackberry an einer alten Tanke, die wir bereits vor ein paar Jahren umfangreich abgelichtet haben, ein kleines Harley-Treffen. Eine organisierte Biker-Tour, die hier gerade ein kurze Pause machen um sich zu erholen. Ich betone "erholen", denn meiner Meinung nach ist Harley-Fahren nur etwas fürs Auge, andere Sinne bleiben auf der Strecke:  Bei dem "Sound" der "Böcke" muss man annähernd taub sein, um Harleys zu ertragen und die Körperhaltung lassen das stundenlange Aufhängen von Gardinen als angenehme Entspannung empfinden.

Aber zugegeben: Für`s Auge ist es auf jeden Fall was!

 

Abfahrt !

 

 Nachdem die Biker grüßend und im besonders lauten und beeindruckenden Harley-Sound links und rechts an uns vorbeigezogen sind und wir uns von deren Erholung erholt haben, setzen wir uns "in unseren Bock" und reiten weiter nach Peach-Springs. 

 

 Havasupai Lodge

 

In Peach-Springs ist für uns die letzte Möglichkeit; die Nacht vor unserem Abstieg zu Havasupai in einem Motel zu übernachten. Daher haben wir -ausnahmsweise- ein Motel von Deutschland aus vorreserviert. Entsprechend unserer Vorinformation ist es genau so, wie wir es eigentlich NICHT haben wollen: Mehrgeschossig und auch noch der Flur innenliegend. Also genau entgegengesetzt zu unsrem favorisierten amerikanisch-klassischen. Motel-Typ wie das berühmt-berüchtigte Bates-Motel aus Hitchcocks "Psycho"..

 

 Das Zimmer ist prima !

 

 Da es aber keine Alternative hierzu gab, blieb uns damals eben nichts anderes übrig. Das Zimmer ist -anders als bei Motel-Ketten, nicht nur funktional, sondern auch ganz nett eingerichtet. Aber dafür haben wir heute kaum einen Blick,

 denn nach einem kurzen Aufenthalt im angeschlossenen Restaurant...

 

All das soll / muss mitgenommen werden !

  

kommt die Generalprobe für unseren morgigen Trip: Backpacks-Packen. Wir sind immer wieder erstaunt, was wir denn so alles für eine solche Tour mitnehmen müssen.

Halt ! Anita korrigiert mich bei diesen Zeilen. Es muss heißen:

Wir sind immer wieder erstaunt, was wir glauben, alles mitnehmen zu müssen.

Aber so sind wir nun mal. Wir sind eben für alles gerüstet!

Halt, Anita korrigiert mich:

"So bist du halt, für alles gerüstet!"

 ANKLICKEN: Das soll in die Rücksäcke passen ?

 

 Und so stehen wir wieder vor einem riesigen Haufen Material, der gut überlegt verstaut werden will, denn einerseits muss die Gewichtverteilung möglichst gleichmäßig sein, andererseits soll der Zugriff auf die Einzelteile nach praktischen Gesichtspunkten erfolgen. Also darf das Erste-Hilfe-Kitt logischer Weise nicht ganz unten sein, während das Zelt o.ä. wiederum nicht das erste sein sollte, wonach man im Rucksack blind greift.

Und so probieren wir die unterschiedlichsten Kombinationen aus, stopfen die Rucksäcke voll, um sie anschließend wieder auszuleeren, füllen sie wieder, überprüfen bei jedem Einzelteil Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der Mitnahme, holen sie wieder raus um sie letztlich wieder -nun an anderer Stelle- einzupacken.

Irgendwann haben wir dann aber schweißgebadet den für uns optimalen Füllungszustand gefunden, den wir -natürlich nach einer weiteren kurzen Umbauphase- als Referenzstandard erklären.

Und der Inhalt  kann sich sehen (und leider auch tragen) lassen:

Nachdem wir die letzten Zweifel, ob wir diese Tour denn überhaupt morgen machen sollen, beiseite gefegt haben, legen wir uns hin mit der Gewissheit, die vorerst letzte Nacht so weich schlafen zu dürfen.

3.Tag:

Peach Springs,AZ - Havasupai Campground,AZ

Harry mit GepäckAnita mit Gepäck

Dieser Tag soll es in sich haben, wir wir noch erfahren werden:

In aller Frühe werden wir durch unsere Wecker in den Handys aus dem Schlaf gerissen. Nach der vorläufig letzten gründlichen Morgentoilette beladen wir den Wagen mit dem Notwendigsten: Zwei vollbepackte Backpacks und Getränke für unsere Rückkehr.

Fast hätten wir Glück und unser Aufbruch in die Wildnis würde von höherer Gewalt unterbunden. Doch es ist nur ein kurzer Aufschub:

Wir verlassen gegen 4:30Uhr das Hotel mit dem ersten Teil unseres Gepäcks und hinter uns schließt sich die Tür. Oh Schreck! Von außen kann sie nicht geöffnet werden, die Klingel funktioniert nicht. Ich laufe an der Fensterfront entlang und entdecke gegenüberliegend den Hotelportier, der dösend vor dem Fernseher sitzt. Auf Klopfen reagiert er zunächst nicht, als ich wie ein HB-Männchen wild gestikulierend vor dem Fenster hin- und herrenne erkennt er die Situation und öffnet uns langsam die Tür.

Nachdem auch der Rest der Folterinstrumente im Wagen verstaut ist, verlassen wir um 5:05Uhr den Parkplatz und erreichen den ca. 60 Meilen entfernten Hilltop nach gut einer Stunde.

 

Das letzte Bild vor dem grausamen Abstieg

 

Wir beladen uns mit dem kleinen Handgepäck. Während meiner Bundeswehrzeit hatten wir einen treffenden Begriff für das große Marsch-Gepäck, das wir bei einer Nato-Übung mitnehmen mussten: Das Spind-Tragegestell !

Und genauso kommt uns das "Wirklich nur das allernötigste, was man unbedingt für eine solche Tour benötigt" auf unseren Rücken vor.

 

Indianer und Pferde kommen uns im flotten Tempo entgegen !

 

Mit einem lakonischen "Ich glaube L2 - L3" (damit sind die entsprechenden Bandscheiben der Lendenwirbel gemeint) steigen wir ab. Das erste Teilstück von etwa einer Meile soll laut Literatur sowie der im Internet recherchierten Infos recht steil ein. Die Infos lügen: Es ist "verdammt steil". Und die knapp 20kg Gepäck am Rücken sowie die eigenen Pfunde machen auf sich aufmerksam, jetzt schon!

Obwohl die Sonne bereits aufgeht liegen große Teile des Canyons noch lange im Schatten, und so entpuppt sich die Tour als weniger kräftezehrend als befürchtet. Noch!

 

 

ANKLICKEN: Der Abstieg...

 

Nach einer Meile wird der Weg deutlich moderater, es ist nur noch ein leicht abfallender Trail, der uns für den Aufstieg in drei Tagen Mut schöpfen lässt. Allmählich ist es jedoch vorbei mit der vornehmen Zurückhaltung der Sonne: Sie kommt ihrer eigentlichen Aufgabe langsam aber zunehmend nach: Sie scheint. Und nun auch in den Canyon.

 

Blick auf das, was noch vor uns liegt...

 

Vielleicht liest ja irgendwann einmal ein Mediziner diese Zeilen und kann mir dieses für mich unerklärliche Phänomen erklären: Warum ist die Leistungsfähigkeit unter hohen Temperaturen weitaus geringer als bei gemäßigten? Glaubte ich früher, dass ich dieses Phänomen nur von Anita und mir kenne, so lauschte ich sehr erstaunt den Worten von Lanz Armstrong, der bei der letztjährigen Tour de France berichtete, nach Möglichkeit jeden Schatten auf seiner Fahrt zu nutzen, um die volle Leistungsfähigkeit zu gewähren.

So sind wir also mindestens schon drei: Anita, Lanz und ich!

 

Anita - inkognito !

 

Im Moment ist aber auch keine Zeit, sich mit dieser Thematik auseinander zusetzen. Der Kopf ist voll mit anderen Themen: 

Wie lange noch?     

Wie weit noch?    

Schaffen wir das überhaupt?    

Wer von uns hatte bloß diese wahnsinnige Idee?     

Wer hat die 25kg Gepäck in den Rucksack gestopft?

Fragen über Fragen!

 

ANKLICKEN: Anita in der Wash !

 

Die Strecke ab der zweiten Meile ist zwar- wie erwähnt- durchweg moderater, zieht sich aber über 5,5Meilen durch eine monotone, anstrengende und wohl niemals endende Wash. Die Temperaturen steigen zunehmend und die 30kg Gepäck auf dem Rücken fangen an zu schmerzen.

 

ANKLICKEN: Weg durch den Canyon

 

Nach den 5,5Meilen Schotterpiste durch die Wash erwarten uns nun 1,5 Meilen durch den Creek am Bach entlang. Der Weg ist links und rechts aufgrund des Baches grün bewachsen und lieblich anzusehen, wenn man durch einen Park spazieren gehen würde und nicht 35kg Gepäck auf dem Rücken schleppen müsste. Obwohl unsere Wasservorräte von Meile zu Meile an Gewicht verlieren müssten, legt uns irgendjemand großzügig  Ausgleichsgewichte in den Rucksack. Die Temperaturen steigen und steigen und unsere Gesichter nehmen allmählich die rote Färbung eines Cola-Logos an. Cola, richtig, das wäre etwas!!!

Am absoluten Ende der Kräfte !

Wir sind ziemlich am Ende der Kräfte. Im Internet hat jemand nach eigener Aussage den Abstieg in drei Stunden geschafft. Wir hinterfragen diese Behauptung jetzt ebenso kritisch wie mittlerweile röchelnd.

Nach sechs Stunden erreichen wir das Village. Niemals waren uns die Indianer so wertvoll wie heute. Das erste Haus von Supai ist ein kleiner Laden, der einfache Lebensmittel und Getränke zu teuren Preisen verkauft. In unserem Falle: Ein kleiner rettender Laden, der eine Vielzahl von superben und gekühlten Getränken für wenig Geld anbietet.

Wir lassen unser 40kg-Gepäck auf der Veranda zurück und robben auf allen Vieren in den Laden. Während ich mich unlöslich an die Klima-Anlage kralle um meinen Körper auf die sonst übliche 36,7Grad abzukühlen, ersteht Anita Lebenselixier. Und jetzt erfahren wir ganz beiläufig den Grund unseres "Wohlbefindens". Wir haben das Glück, einen besonders warmen Tag erwischt zu haben. Das Thermometer zeigt jetzt schon 119Grad-Fahrenheit an, das sind schlappe 48 Grad Celsius!!! Und wenn ich mir vor Augen halte, dass die höchsten Temperaturen üblicherweise zwischen zwei und drei Uhr gemessen werden, weiß  ich erst, wie gut es uns im Moment noch im Vergleich zu nachher geht.

 

Nachdem wir wieder etwas zum Leben zurückgefunden haben, gehen wir straight ahead zum Tourist-Office um uns für das Overnight-Camping anzumelden.

Eine Reservierung hatten wir bereits vor einiger Zeit von Köln aus vorgenommen. Mehrmals -vergeblich- per Mail, letztlich dann nach vielen Fehlversuchen telefonisch.

Doch zunächst stehe wir vor verschlossener Tür des Office und warten darauf, dass der Officer erscheint um uns dahinsiechende Touristen in Empfang zu nehmen. Wir sitzen einige Minuten vor dem Haus und nutzen die Zeit, uns sprachlos anzusehen und uns gegenseitig mit den Augen die oben bereits erwähnte zentrale Frage zu stellen: Wer hatte diese Idee?

ANKLICKEN: Die Karte in groß !

 

Der Officer kommt vorbei und öffnet sein Büro. Er drückt uns eine Karte in die Hand und empfängt uns mit der für uns völlig überraschenden Information, dass heute ein ganz besonders heißer Tag ist.

Wir wissen nicht, ob er uns nur trösten will oder ob er blind ist und uns die Temperaturen in Celsius und Fahrenheit nicht in de Augen ablesen kann.

Unsere Reservierung liegt tatsächlich vor und so können wir den administrativen Teil dieser Unternehmung angenehm schnell abhaken.

Er weißt uns noch darauf hin, dass es die Möglichkeit gibt, von hier aus den Rückweg auf einer Horse-Back-Tour zu Pferd zurückzulegen sowie sich auch per Helikopter ausfliegen zu lassen. Die Kosten betragen $75 per Pferd und $85 per Heli.

Wir weißen ihn jetzt schon darauf hin, dass wir sicherlich auf eins der Angebote zurückkommen werden.

Wir verlassen sein Büro und quälen uns etwa 200 km weiter in Richtung Cafe`. Laut Officer sollten es doch nur 200 m sein. Er muss sich vertan haben, die Strecke ist wesentlich länger mit 45kg Gepäck auf dem Rücken.

Im recht einfachen Cafe` ist der zentrale Eye-Catcher  die Theke, wo es so wundervolle Artikel gibt wie Getränke und Essen. Nachdem meine Diet-Coke sold-outed ist, nehme ich zwangsläufig reguläre, was mir im Anbetracht der Hitzewallungen ziemlich egal ist. Nachdem wir unsere Körper wieder auf annähernde Normaltemperatur abgekühlt haben, erkennen wir eine Reihe von großformatigen und großartigen Gemälden an den Wänden, die uns auf die Schönheit von Havasupai einstimmen.

ANKLICKEN: Blick von unten nach oben

 

Wir verharren etwa eine Stunde in dieser andächtigen Stellung. Wir kommen mit einer Amerikanerin ins  Gespräch, die gerade auf ihren Flug mit dem Helikopter zum Hilltop wartet. Sie berichtet, dass es viel zu heiß ist für einen Aufstieg. Meine persönliche Meinung: Auch für den Abstieg!!!

Wir berichten, dass wir gerade erst angekommen sind und noch überlegen, ob wir in drei Tagen hoch gehen, -reiten oder -fliegen werden. Sie empfiehlt uns dringend den Flug, da die Kosten nur geringfügig teurer sind und ein Ritt etwa 7 Stunden (!) dauert und "very painfull" ist. Die Mitnahme des Backpacks bis max. 30Pfund ist möglich.

Eine wichtige Information und damit scheiden sich auch unsere Wege. Wir gehen  wieder nach draußen in den Backofen um dort unsere zurückgelassenen Backpacks aufzuschwingen. Das Gewicht hat sich -trotz der längeren Pause- nur geringfügig verringert. Es scheinen immer noch an die 40kg drin zu sein, also weit entfernt von den 30Pfund, die wir für den Flug nach oben mitnehmen dürften.

ANKLICKEN: Havasu Falls

 

Die letzten zwei Meilen auf dem Weg zum Campground zeigen uns noch einmal deutlich, dass nichts umsonst ist. Ein schöner Platz muss erarbeitet werden, ein schöner Ausblick verdient und so kämpfen wir uns mit immer mehr schwindenden Kräften bei nunmehr etwa 50Grad durch den Dschungel, denn der Fluss lässt die Ufer stark ergrünen und schafft damit ein zum Hiken ganz besonders "interessantes" subtropisches Klima. Und damit wir auch nicht schlagartig unterkühlen herrscht hier unten auch noch annähernd Windstille.

Entgegenkommende Hiker erkennen unsere momentane Begeisterung für diese Tour an der Länge unserer heraushängenden Zungen.

Mit den Worten eines Masochisten: Doch leider endet auch der schönste Schmerz irgendwann einmal: Nach etwa 1,5 Meilen quer durch die Hölle sehen wir mit Freude ca. 100 Meter in die Tiefe und erkennen am Fuß des Abstiegs einen in herrlichem Grün schimmernden Pool, der von einem beeinruckenden Wasserfall, den Havasu-Falls, gefüllt zu werden scheint.

Und unmittelbar  neben diesem Eden zwinkern uns bunt die ersten "Colemans", "NorthFaces" und "Walmarts" zu. Hier ist also der ersehnte Campground, für den es sich  lohnen soll, 50kg Gepäck 100Meilen durch die Wüste zu tragen. Vor uns liegt "nur" noch der steile Abstieg, den wir aber tapfer und stetig hinter uns bringen. 

Die einzelnen Campsites liegen für amerikanische Verhältnisse ungewöhnlich dicht aneinander gereiht längs des Flusses. Wir schleppen uns in die erste freie Site, jeder Meter, den man nicht mehr gehen muss, zählt und ist Gold wert. Dabei spielt es für uns -im Moment- auch kein Rolle, dass diese Campsite als einer der wenigen keinen Tisch und Bänke besitzt.

 

Anita beim Relaxen

 

Wir schmeißen uns und unser Gepäck auf den Boden und versuchen erst mal zu realisieren, was wir hinter uns gebracht haben und besonders, dass wir es hinter uns gebracht haben.

 

Zeltaufbau

 

Mit Rückkehr des Lebenswillens meldet sich auch der Magen langsam wieder und so beginnen wir, unser Haus aufzubauen und von innen auszustatten. Beim Auspacken der Rucksäcke fragen wir uns, wo denn die 60kg zusätzliches Gepäck nun sind, die man uns während der Tour reingestopft hat.

 

"Hoffentlich fehlt nix !"

 

Nachdem das Zelt steht, wenden wir uns den kulinarischen Höhepunkten des Hikings zu und verzehren genussvoll und ausgehungert Potatoes, Beef and Onions sowie Noodles with Meat-Sauce.

Wir stellen wieder einmal fest, dass diese Trockennahrung, die lediglich mit kochendem Wasser aufgefüllt wird und dann 10 Minuten ziehen muss, gar nicht schlecht schmeckt. Ob es nun -wie auf der Verpackung vermerkt- an der leckeren und deliziösen Zubereitung oder einfach nur an unseren ausgehungerten Mägen liegt wagen wir nicht zu beurteilen.

 

"Bitte eine Cola und einen Hamburger !"

 

Wir nutzen die restliche Zeit des Tages um im Fluss noch ein kleines erfrischendes Bad zu nehmen. Unsere Bestellung am Tisch "Currywurst und eine Cola" verhallt jedoch ungehört im Rauschen des Flusses.

Bei der Abendtoilette (im wahrsten Sinne) müssen wir feststellen, dass die Vorwarnungen bezüglich der Toilettenanlage, die uns Bekannte mit auf den Weg gegeben haben, leider haarscharf der Realität entsprechen.  Ich werde über die Sauberkeit nicht weiter berichten, nur zwei Dinge: Einmal ist mir das Essen wieder hochgekommen und ich habe mir vor Ekel Herpes geholt...

Abendstimmung über der Campsite

Mit Sonnenuntergang verkriechen wir uns erschöpft und müde aber glücklich in unser Zelt. Bei tropischen Temperaturen erzählen wir uns noch gegenseitig, wie toll und anstrengend und beeindruckend und verrückt und ereignisreich dieser Abstieg um 800 Höhenmeter doch war.

Bezüglich des bevorstehenden Aufstiegs in zwei Tagen kommen wir überein, dass wir über dieses Thema noch gründlich denken müssen. Wenn man die Tour fair betrachtet muss man einräumen, dass sie "eigentlich" gar nicht so heftig war: Der steile Abstieg ist überschaubar, die weiteren 5,5 Meilen durch die Wash sind ebenfalls moderat. Wenn eben nur nicht die Sonne gewesen wäre...

Und jeder von uns beiden macht nun die Augen zu und bestätigt sich noch einmal, mit dieser Tour eine gute Idee gehabt zu haben...

24.07.2004

4. Tag: Havasupai, 1.Tag

Morgenstimmung

Nach einer reichlich durchschwitzten Nacht erwachen wir wie gerädert. Der gestrige Abstieg liegt uns ebenso in den Knochen und in den Waden wie die Nacht auf dem etwas harten Boden. Unsere Thermal-Rest halten nur bedingt die raue Natur von unseren Zivilisationsverseuchten Büro-Rücken.

Außerdem sind wir in der Nacht mehrmals von durch die Gegend wandernden Maglites und anderen Taschenlampen, die ihren Schein an unsere Zeltwand projizierten, geweckt worden.

Beim Rausschlüpfen auf unserem Zelt erkennen wir auch weshalb. Eine Reihe von Nachbarn haben offensichtlich nachts zusammen gepackt um den Anstieg anzugehen. Wir nutzen die verführerische Gunst der Stunde und ziehen mit alle Gepäck (schon wieder tragen) auf die Nachbar-Site. Hier haben wir einen sonnengeschützten Platz mit Bank und Tisch und unmittelbarer Anbindung an die Toilettenanlage. Leider mit allen riechenden Konsequenzen, zumindest gelegentlich.

 

Die Mooney Falls, nur etwa 1 Meile vom Campground entfernt.

 

Wir machen uns auf den Weg zu den etwa 1 Meile entfernten Mooney-Falls, die ebenfalls traumhaft schön sein sollen. Aufgrund unseres späten Erwachens und unseres Umzuges auf den neuen Zeltplatz, ist es mittlerweile Vormittag und der Planet ganz oben treibt breit wieder sei Unwesen und brennt. Die Temperaturen steigen stark an und als wir nach einiger Zeit den oberen Aussichtspunkt erreichen, haben wir auch unseren Endpunkt erreicht .                     

 

ANKLICKEN: Eingang zum Abstieg

 

Obwohl es dort unten paradiesisch schön zu sein scheint, scheint uns der Blick von hier oben zu reichen. Der weitere Abstieg würde durch enge in den Fels gebohrte Höhlen führen. Doch leider auch der Aufstieg, den wir uns somit sparen werden..

 

ANKLICKEN: Mooney Falls

 

Und so erfreuen wir uns in einiger Höhe und nach einiger Zeit auch im schönen Licht und in der prallen unerbärmlichen Sonne an der Schönheit dieses Wasserfalls.

 

ANKLICKEN: Wasser

 

Jeden Schatten und jede fotogene Stelle als Pause nutzend machen wir uns auf den Weg zurück zum Camp. Einige kleine Rapids (Stromschnellen) verkürzen uns dabei den ansonsten monotonen Hike. Nach kurzer Rast im "Basis-Camp" steigen wir noch einmal kurz in die Fluten zum Abkühlen. 

 

ANKLICKEN: Havasu Falls

 

Allmählich ziehen Wolken auf und bevor es evtl. zu einem starken Regen kommt gehen wir noch einmal los in Richtung Havasu-Falls, was bedeutet, zunächst einen kleinen aber steilen Anstieg zu folgen um dann anschließend quasi fast in den Pool der Havasu-Falls zu fallen.

 

 

Wie viele andere Abkühlungshungrige Hiker drehe ich ein paar kurze Runden im recht kalten Pool. Eine Vielzahl von Hikern ist dieses Gewässer offensichtlich erste Anlaufstelle, wenn sie vom Hilltop kommen oder aber letzte, wenn sie sich am späten Nachmittag auf den nächtlichen Weg nach oben machen.

 

ANKLICKEN: Ansichtskarte

   

Wir hingegen posen für eine Ansichtskarte, die wir unseren Lieben als "Wir waren hier-Erinnerung" schicken werden.

 

ANKLICKEN: Unser Equipment

 

Unsere Wanderschuhe warten hingegen auf den Wanderstöcken aufgespießt darauf , morgen wieder brav ihren Dienst zu verrichten. Diese Lagerung gewährleistet, nicht von Ungeziefer und insbesondere von Skorpionen heimgesucht zu werden

 

ANKLICKEN: Harrys Speiße

 

Gemütlich und mittlerweile auch erholt sitzen wir auf "unserer Site" an "unserem" Tisch und essen am Highway sitzend Beef Stroganoff und Maccaroni Cheese. Denn ganz ungestört sind wir nicht. Unsere Site nutzen eine Vielzahl von Campern u von ihrer Site zur Quelle zu gelangen um ihre Vorräte an Trinkwasser zu füllen. Sie haben offensichtlich wenig Hemmungen mitten durch unsere Site zu gehen. Wir blödeln rum, wir hätte unser Zelt am besten mitten auf den Weg gebaut, müssten dann aber befürchten, dass sie evtl. sogar durch unser Zelt klettern.

Dreist ist, dass ein Wasserträger nicht nur unsere Site durchläuft sondern auch noch unsere brennende Anti-Mückenspirale platt macht. Wir bedauern dass er nicht barfuss unterwegs war...

Akribisch wird das Gewicht unseres Gepäckes berechnet

Währenddessen geht der Tag allmählich zu Ende. Wir beschließen, den Aufstieg übermorgen per Heli zum machen und dafür im kommenden Jahr zu einer anderen Jahrszeit diesen Trip noch einmal zu unternehmen.

Jetzt aber muss erst mal gerechnet werden, ob wir unser Gepäck im Helikopter mitnehmen dürfen oder aber getrennt per Pferd hochschleppen lassen müssen. Die Amerikanerin sagte gestern, dass 30Pfund mitgenommen werde dürfen. 30 amerikanische Pfund (lbs) sind nach unserer Berechnung etwa 13kg. Akribisch berechnen wir die bereits verzehrten Mahlzeiten ebenso wie die, die wir noch essen werden. Jede Slim-Jim mit nur wenigen hundert Gramm wird aufgeführt ebenso planen wir, alle Akkus am Leib zu tragen. (Was wiegt eigentlich ein Akku? Ist ein Akku eigentlich leichter wenn er geladen oder leer ist? Wie viele Akkus passen in zwei Hosentaschen ohne dass mir die Shorts runterrutscht?)

Schon wieder viele Fragen...

Vielleicht kann man ja bei geringem Übergewicht (ich meine nicht das eigene sondern das der Backpacks) den Piloten mit einem ebenso geringem Tipp" zur Mitnahme überreden?

Nach einer langen Diskussion verkriechen uns mal wieder in unserer Sauna und schlummern langsam ein...

5. Tag: 

Havasupai, 2. Tag

 

"Guten Moooooorgen !"

 

Wir erwachen -wie gestern- wieder schweißgebadet aber etwas weniger stark gerädert. Unser Weg ist heute das zwei Meilen hinter uns liegende Village um uns dort bezüglich eines Fluges zu erkundigen.

 

ANKLICKEN: "Ouuups"

 

Wir verlassen in der Frühe -hinsichtlich unserer Sonne jedoch bereits zu spät- den Campingplatz und lassen uns auf zwei Meilen ordentlich grillen. Wir benötigen mit Foto-Shootings etwa 1,5h, was uns ein Anhaltspunkt für die morgige Wanderung mit Gepäck sein soll.

ANKLICKEN: Die "Wächter"

Kurz vor Erreichen des Dorfes sehen wir zwei große Felsen, die über dem Village thronen und allgemein als "Die Wächter" bezeichnet werden. Beim genauen Hinseghen erkennen wir, dass es die alten und offensichtlich auch moderne Wächter gibt...

Im Cafe` frühstücken wir Eier, Sausages und Biscuit. Schmeckt alles sehr ordentlich, wenn auch meine Spiegeleier noch sehr flüssig sind und ich sie erst mit einer Scheibe Brot trocken legen muss. Wieder betrachten wir die Gemälde an der Wand und stoßen dabei auf ein schönes Bild der Havasu-Falls, dessen Perspektive ich mir einpräge, um es nachher "nachzustellen". Gern würde ich hier im Village und insbesondere im Cafe fotografieren. Aber in allen Berichten über Havasu wird auf die unbedingte Privatsphäre der Havasu hingewiesen, die man achten soll.

Daher verkneife ich mir das Fotografieren, obwohl mir der Auslösefinger oft genug zuckt.

Was passieren würde, wenn man tatsächlich fotografiert, weiß ich nicht. Ob die Anzahl der unbelehrbaren fotografierenden Touristen exakt mit der Anzahl in Havasu verschollener Touristen übereinstimmt entzieht sich meiner Kenntnis. Da ich mir keine Rolle in entsprechenden Statistiken zuschreiben möchte, probiere ich es erst gar nicht.

ANKLICKEN und abheben !

Anita und ich sind unterschiedlicher Meinung darüber, was die Amerikanerin vorgestern gesagt hat. Während ich fest davon überzeugt bin, dass sie gesagt hat, dass er Helikopter jede Tag außer Samstags fliegt, will sie mir weißmachen, dass sie sagte, sie fliegen am Sonntag nicht. Wie es sich für einen guten Ehemann gehört, glaub ich ihr natürlich...

Es fällt mir momentan recht schwer, mein über alle vier Backe reichendes Grinsen zu verstecken, als soeben ein Heli landet...

Wir haben das Thema dann nicht weiter erörtert...

Wir stellen fest, dass das Gepäck gar nicht gewogen wird, weshalb wir uns diesbezüglich auch keine Gedanken mehr machen und unseren Weg zurück zum Campground aufnehmen.

 

ANKLICKEN: Diese Perspektive haben schon andere vor uns entdeckt

 

Auf dem Rückweg machen wir noch mal bei den Havasu-Falls Station. Ich versuche aus dem Gedächtnis heraus die Perspektive zu finden, von der aus das Bild im Cafe entstanden ist, und werde auch fündig. Ich stelle fest, es ist wirklich ein guter Aufnahmepunkt.

Und dann haben wir im Nachhinein erkannt, dass die Havasupais und wir nicht die einzigen sind, die diese Perspektive entdeckt haben !

 

Anita im Wasser

 

Auch Anita nutzt nun die Chance, sich im kalten Wasser von dem heißen Hike ein wenig abzukühlen. Mit dem Fotohandy halte ich den Fall fest, um ihn nach unserer Rückkehr an unsere Daheimgebliebenen zu senden.

 

ANKLICKEN: Unser Equipment

 

Doch zunächst kehren wir zu unserer Site zurück und genießen den letzten Abend  hier unten. Betrübt schlemmen wir wieder unsere letzte beiden Pakete Trockenfutter. Anschließend beginnen wir mit des Hökers Last, dem Bepacken unserer Backpacks. Alles, was heute nicht ehr benötigt wird, wird verstaut. Und so verkriechen wir uns in er Abenddämmerung wieder in unser Zelt und schlafen recht schnell ein.

6. Tag:

Havasupai,AZ - 

Las Vegas,NV

ANKLICKEN: Letztes Bild vor dem Aufstieg

Gegen 5Uhr klingelt das verdammte Handy und reißt uns mal wieder aus den Händen Morpheus. Das Einpacken der letzten Utensilien geht recht flott, mittlerweile kommt Routine auf. Auch der Abbau des Zeltes (wir denken mit Grauen an unsere Premiere im letzten Winter) geht uns flott von der Hand in den Rucksack. Wir schnallen unsere Backpacks auf und genießen die Tatsache, dass sie durchweg leichter sind als sie vor drei Tagen waren.

Nachdem wir beim gestrigen Probelauf ohne Gepäck (aber unter Einfluss des  brennenden  Planeten über uns) 1,5h benötigten, gehen wir jetzt bergauf mit Gepäck von ca. 2,5h aus.

Nach gut einer Stunde erreichen wir zu unserem Erstaunen das Village. Wieder hat sich das Phänomen von Anita, Lanz und mir bemerkbar gemacht, dass man ohne Sonneneinwirkung flotter unterwegs ist.

 

ANKLICKEN

 

Gegen 8.40Uhr erscheint der wohl wichtigste Mann hier unten, zumindest wenn es um die Heli-Flüge geht. In seinem "Outdoor-Büro", einem nach draußen gestellten Schreibtisch tragen wir uns in die List ein. Lediglich vier Flugwillig sind vor uns, so dass wir mit einem zügigen Abheben rechnen könne.

ANKLICKEN: Unser Aufstieg...

Und tatsächlich. Wir sind bei der zweiten 2"Fuhre" dabei und heben langsam ab. Unser Gepäck ist tatsächlich nicht gewogen worden, so dass unsere Berechnungen überflüssig waren.

In einem achtminütigen beeindruckenden Flug sehen wir eindrucksvoll, was uns heute erspart bleibt: Der zehn Meilen lange Weg erstreckt sich zu unseren Füßen in der prallen Sonne, geziert mit vereinzelten Hikern die, soweit man da von hier beurteilen kann, keinen elanvollen Eindruck machen. Insbesondere die letzte Meile des Weges, der berüchtigte steile Aufstieg fordert seinen Tribut und so ist die Anstrengung einzelnen Hikern bis hier oben anzumerken.

Diesen leicht masochistischen Part sparen wir uns für andere Zeiten auf.

 

Es "müffelt" ein wenig !

 

Wir landen punktgenau, zahlen den Tribut dieser Fortbewegung und schleppen unsere Backpacks Richtung Auto um nach kurzem Hin- und Herräumen uns auf den Weg nach Las Vegas zu machen.

Doch nach einigen Meilen beschließen wir, uns umgehend umzuziehen, da wir langsam anfangen, dass "wir uns stinken". Und so halten wir kurz am Wegesrand an und tauschen zumindest die Kleidungsstücke, die es am meisten nötig haben...

 

ANKLICKEN: Autotausch

 

Am Nachmittag erreichen wir Las Vegas und steuern zielstrebig Alamo an um den Wagen zu tauschen. Diese Aktion dauert nur eine halbe Stunde und wir verlassen den Fuhrpark mit einem richtig geländefähigen Jeep Grand Cherokee Laredo. Der Urlaub kann beginnen.

 

The New Frontier

 

Wir beschließen, kurzfristig ein Zimmer im Frontier klarzumachen, erschrecken jedoch über den geforderten Preis: $89,95 plus Tax plus Telefonbereitschaft plus Stromabgabe usw. Wir haben aber nicht viel Zeit und außerdem ist das Hotel, wie bereits mehrmals erwähnt, für unsere Umräumaktionen prädestiniert.

 

Der Jeep vor derm Storage

 

Wir fahren zu unserem Storage und beschäftigen uns -wie bereits am ersten Tag- mit unseren Haufen: Wir tauschen unser Hiking-Equipment mit all den Dingen, die wir in den nächsten zwei Wochen noch benötigen.

Essen bei Sizzler`s

Wir belohnen uns mit einem Essen bei Sizzler. Doch Ironie des Schicksals: Bisher habe ich bei fast jeden Sizzler-Besuch ein Hauptgericht genommen und die unglaublich umfangreiche Salat-Bar "by the side" genommen. Jedes Mal hab ich mir (um mit den Worten unseres Freundes Michel zu sprechen) eine Zerrung vom Fressen geholt und mir anschließend geschworen, beim nächsten Sizzler-Besuch nur noch die Salat-Bar zu nehmen.

Und genau das mache ich heute erstmalig um sofort festzustellen, dass die Salat-Bar zumindest bei diesem Sizzler deutlich reduziert wurde.

Satt werden wir natürlich trotzdem und so geht der Weg weiter zum Walmart, um dort frische Lebensmittel und Boxen zu kaufen. Wir wollen unser Equipment zukünftig im Auto anders verstauen.

 

ANKLICKEN: Und schon wieder: Umräumen...

 

Im Walmart werde wir fündig und sodann räumen wir ,wieder einmal, von A nach B.

Ich bearbeite noch die in den Havasupai-Falls gemachten Fotos zu Ansichtskarten, damit ich sie morgen ausdrucken lassen kann.

Aber nun ist es schon wieder Mitternacht und wir schmeißen uns in unser King-Site-Bett zur Ruhe, während die Stadt draußen erst richtig zum Leben erwacht.

7. Tag: 

Las Vegas, NV - Zion, UT

 

ANKLICKEN: Ein neuer Tag !

 

Ungleich bequemer erwachen wir heute statt auf Schlafsack und Iso-Matte auf Bettwäsche und King-Size.

Und einer herrlicher Sonnenaufgang versüßt uns zusätzlich das Aufstehen.

Endlich Wasser !

 In einem ausgiebigem Bad in der King-Size Badewanne er Suite holen wir das nach, was gestern aufgrund der vorgerückten Stunde leiden musste: Hygiene. Im reichen Schaumbad, für das aufgrund der verdünnte Hotel-Shampoos mehrere kleine Pullen herhalten musste trennen wir uns endlich von einer Vielzahl unterschiedlicher Schichten auf unserer Haut, beginnend von innen nach außen mit Lotion, Sonnencreme, Schweiß, Anti-Insektenspray, After Sun, After the bit und dann wieder von vorne. Vielleicht war es das Gewicht dieser Schichten, die unsere Backpacks so schwer haben erscheinen lassen. 

Nach dieser Wohltat steht  wieder Arbeit auf dem Programm: Wir schleppen unsere Koffer und beschriften Kisten nach unten zum Auto und fahren zum Walmart um die gestern Nacht erstellte CD printen zu lassen. Während diese brav vor sich hin printet, fahren wir zum Mc.Donald`s um endlich mal wieder ein amerikanisches Frühstück einzuverleiben. Wir wählen "Big Breakfast Deluxe" (Rührei, Sausage, Pancakes) für mich und ein Bacon Bagel für Anita.

 ANKLICKEN: Jeep spiegelt sich im fahrenden Truck

Und wieder fahren wir über die Schwelle zu unserem Storage um nun endgültig die für den restlichen Urlaub vorgesehene Gepäckkonstellation umzusetzen. Die sechs Kunststoffkisten werden gekonnt wie von einer Fachkraft für Lagerwirtschaft auf der Ladefläche verstaut, die restlichen notwendigen Güter überall auf das Auto verteilt und der berühmte "allerletzte" Rest kommt in den Storage.

Nun düsen wir noch ein letztes Mal zu unserem Walmart um die entwickelten Bilder abzuholen und noch zwei Plastikkisten. Außerdem gehen mir die CD-ROMs, die ich als Datensicherung für meine Bilder benötige, langsam aus.

   

 

 

ANKLICKEN: Eingang zum Zion National Park

 

Mit den Bildern und den anderen Einkaufsgütern unter dem Arm setzen wir unsere Fahrt fort. Unser Ziel für heute war ursprünglich Escalante, aufgrund der vorgerückten Stunde haben wir als realistisches Ziel den Zion National Park anvisiert, den wir am frühen Nachmittag auch erreichen. Kurz vor Einfahrt decken wir uns in dem ansäßigen Geschäft noch mit Grillgut ein, so dass einem zünftigem BBQ nicht mehr im Wege steht.

 

ANKLICKEN: Was notiert sich Anita ?

 

Wir fahren auf den South-Campground, unsere Site vom vergangnen Jahr ist bereits besetzt (was für den guten Geschmack der Besetzer spricht) aber die Auswahl ist so groß, so dass wir nach zweimaligem Cruisen über den Campingplatz etwas finden. Unser Nachbar ist ein älterer Amerikaner mit seinem Enkelkind. Ganz schlau werden wir nicht aus ihnen: Außer einem großen Pickup mit zwei aufgeschnallten Motorrädern besteht ihr Hab und Gut aus zwei Campingstühlen, einer großen Kühlbox und einer Zeitung.

Anita notiert sich in ihre Hand......

ANKLICKEN: Unser neues Zelt bei Tag...

 

Erstmalig bauen wir unser neues  Zelt auf. Es ist ein einfaches aber recht großes Dreimann-Zelt. Der große und hohe Vorraum soll es uns ermöglichen, ggf. auch bei Regen unser BBQ im Zelt und nicht -siehe Winter-Urlaub im Zion 2003- im Auto zu uns zu nehmen.

Der Aufbau ist prinzipiell -für geübte Leute- recht einfach. Bei uns verläuft der erstmalige Aufbau durchweg abwechslungsreich, interessant und originell. Doch mit gemeinsamen Anstrengungen schaffen auch wir es, aus einer großen Tüte Stangen, Strippen und Stoff ein einem Zelt täuschend ähnlich aussehendes Gebilde zu konstruieren. Das nur 100Euro teure Zelt erweist sich eigentlich als durchdacht und raffiniert, im Detail rächt sich jedoch der niedrige Preis. Die Steckhülsen des Gestänges ist nicht eben wie bei edlen Zelten, sondern aufgesetzt. So ist es schwierig, die Stangen reibungslos einzuführen, alles hakelt ein wenig. Ansonsten ist das Zelt geräumig und der kleine Vorbau durchaus praktisch.

Und weil wir gerade dabei sind, neue Dinge auszuprobieren, baue ich gerade auch die neue gasbetriebene Camping-Leuchte auf. Trotz englischer und chinesischer Bedienungsanleitung kriegen wir das Ding gemeinsam zum Laufen. Korrigiere: zum Brennen.

Nachdem wir alle neuen Errungenschaften ausprobiert und uns am BBQ gelabt haben, verschwinden wir in den schier unendlichen Weiten unseres Dakotas und werfen uns wieder Morpheus in die Arme.

So long and have a good night..

8. Tag: 

Zion,UT - 

Calf Creek.UT

 

ANKLICKEN: Morgenstimmung

 

Wir erwachen wieder am Fuße eines Gebirgszuges des Zions und stellen abermals fest, dass es ein traumhaft gelegener Zeltplatz ist. Die ersten Sonnenstrahlen küssen die Zinnen des Zions.

 

 

 

 

 

Angenehme 15 Grad  Celsius

 

Dennoch ist es noch ein wenig frisch oder anders ausgedrückt: Endlich mal eine angenehme Temperatur.

Einige Frühaufsteher in der Nachbarschaft sind bereits dabei, ihre Behausungen abzubauen. Wir lassen uns Zeit und gehen der Morgentoilette nach. Bereits gestern Abend ist uns auf der Toilettenanlage der Unterschied zwischen National-Parks / -Monumenten und den Anlagen der Indianer-Reservate deutlich aufgefallen. Ich möchte dieses Thema nicht überbewerten, aber einen gewissen Mindeststandard sollte es schon geben.

 

ANKLICKEN: Interessante Konstruktion

 

Für uns Camper ist ein Rundgang über einen Campingplatz immer ein Erlebnis. In keinem Geschäft, das wir kennen, gibt es eine solch vielfältige Ausstellung von Zelten wie hier, von einfachsten Supermarkt-Zelten für $20 bis hin zu High-Tech-Zelten oberster Preisklassen. Von den vielen und originellen Campern, die ebenfalls vom kompakten Anhänger bis hin zu Reisbus-großen Wohnmobilen reichen, einmal ganz abgesehen.

Skurril auch einer unserer Nachbarn. Er hat ein Brett über den geöffneten Motorraum gelegt und seine mit 12 Volt betriebene Kaffeemaschine drauf gesetzt.

 

Unendliche Straßen...

 

Nach dem Bestaunen dieser Leistungsschau der Camping-Industrie setzen wir uns mit dem Thema "Abbau des Dakotas" auseinander. Es klappt tatsächlich, jedoch empfiehlt es sich aus praktischen Gründen bei einzelnen Schritten von der mitgelieferten Aufbauanleitung abzuweichen. Es vereinfacht den Abbau. Dennoch sind zwischen Aufwachen und endgültiger Abfahrt ziemlich genau zwei Stunden vergangen. Das muss künftig zügiger gehen, wir arbeiten noch daran.

ANKLICKEN: Red Canyon

Unsere Fahrt führt in Richtung Escalante, vorbei am Bryce Canyon. Hier kehren wir zum Shopping und erwerben Eis, tiefgefrorenes Fleisch und Medikamente für Anita, die leider etwas kränkelt.

Für Outdoor-Freunde ist der General-Store ein El Dorado, für Pfennigfuchser hingegen ein Albtraum. Hier einige Beispiele, die uns  aufgefallen sind:

Leatherman Super Tool 200: $69 (bei Walmart $45), MagLite Mini AA:  $19 (bei Walmart $9), unsere neue Campingleuchte: $50 (bei Walmart $19). Das ist zwar keine Werbung für Walmart, zeigt aber die erschreckenden Preise dieses Stores, wobei man natürlich die Lage mitten im Nationalpark berücksichtigen muss. Erstaunlich günstig hingegen sind einige Preise im Vergleich zu uns in Deutschland: Thema Rest ultralight: $64, bei uns ca. €90. Hemden von Columbia $29, bei uns ca €50.

Das blamable Anekdötchen über unseren Benzinkanister

Wir tanken unseren Wagen und unseren neu erworbenen Benzinkanister auf. Nun muss ich -zu unserer Blamage- doch noch ein Anekdötchen erzählen. Es gibt offensichtlich nur einen Hersteller von Reservekanistern, zumindest begegnet uns in den Supermärkten von Walmart und K-Mart seit einem Jahr nur noch ein Modell in verschiedenen Größen. Letztes Jahr im Sommer haben wir zwei Kanister erworben, aufgetankt und uns wegen der Undichtigkeit mehrmals darüber geärgert. Es war uns nicht möglich, ihn dicht zu bekommen. Auch unserem Praktiker Michael gelang es nicht. 

Im Winter widerfuhr uns das selbe Spiel. Die roten Kanister haben das Ausfüllrohr innen liegend. Wird der Kanister befüllt, steckt man das Rohr anschließend bis zum Gebrauch in den Kanister. Egal wie fest der Schraubverschluss gedreht wird, nach einigem Rütteln und Erwärmung suppt das Benzin oben raus. Aus diesem Grunde haben wir die Kanister nach den Urlauben stets entsorgt, statt sie zu behalten.

Diesmal beim Walmart die Bildchen auf dem Kanister betrachtend kam die Erleuchtung. Abweichend von unserer festen Überzeugung verbleibt das Rohr nach dem Befüllen nicht im Kanister sondern wird aufgesetzt. Also haben wir uns wieder einen zugelegt.

Und genau jenen Kanister betanken wir nun und überprüfen seine Dichtigkeit:  DICHT !!!

Kaptain auf Brücke...

Mit vollem Tank und Kanister steuern wir weiter Richtung Escalante. In dem provisorischen Visitor-Center, wo wir uns für die nächsten vier Tage ein Back-Country-Permit für die Hole-In-The-Rock-Road ausstellen lassen wollen, erfahren wir Fürchterliches: Es hat vor wenigen Tagen sintflutartig geregnet, so dass die Hole-In-The-Rock-Road ebenso wie unsere Alternativen Cottonwood-Road und Burr-Road für mehrere Tage unpassierbar sind. Damit ist unsere Planung völlig über den Haufen geschmissen worden.

Wir setzen uns in Auto und überlegen, in welche Richtung wir denn nun fahren sollen. Anita recherchiert am Laptop Ideen und Streckenführung. Wir entscheiden uns für Richtung Kodachrome-Basis als Zwischenstation, um von dort aus Richtung Page zu fahren.

Nach etwa 10 Meilen kommt mir die Idee und ich Frage Anita, ob es nicht Sinn macht, dann stattdessen doch noch einmal den White-Rim-Trail in Canyonlands zu absolvieren. Ein geeignetes Auto haben wir und selbst im Falle von starken Regenfällen ist sicherlich ein Teil der Strecke weiterhin befahrbar.

 

 

Anita ist von der Idee zu begeistern und so drehen wir auf der Stelle um. Wir planen, bei Calf Creek, wo wir vor einigen Jahren schon einmal gewandert sind, zu campen. Wir fahren vorbei an der Buffalo-Ranch, einer Farm, auf der man das Essen vom Fenster aus beobachten kann...

 

Die traumhaft schön gelegene Campsite im Calf Creek

 

 

Gegen 18 Uhr erreichen wir den Campground und erwischen mit Campsite No. 10 einen sehr schön Platz. Der Campingplatz ist mit ca. 15 Plätzen recht klein, unsere Campsite liegt etwas oberhalb des Weges und bietet ein tolles Panorama.

Was stört sind lediglich deutsche Camper in einem Wohnmobil, deren aufdringliche Stimmen man trotz der großen Entfernung gut hört. Aber sehen kann man sie zum Glück nicht.

 

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Während Anita zurück zum Eingang fährt um sich zu registrieren, verbleibe ich mit dem Zelt in der großen Tasche alleine zurück und versuche zwischenzeitlich es aufzubauen. Während ich noch von Ecke zu Ecke renne, fällt leichter Regen, was ein wenig Stress bereitet. 

Das Zelt noch nicht aufgebaut kehrt Anita zurück und mit den berühmten vereinten Kräften gelingt es uns nach einer gewissen ehelichen Diskussion, einen geeigneten Standort zu finden und das Zelt aufzubauen. 

i

 

Während Anita das BBQ auf unserem neu erstandenen Grill vorbereitet, vervollständige ich unser durch das Trecking etwas vernachlässigte Tagebuch. Während ich mich an einem Sirlion-Steak vergnüge, muss ich Anita mit einem Hackfleisch-Patty auseinandersetzen. Nein, ich würde eher sagen, dass sie damit zu kämpfen hat. Das Stück ist deutlich größer als vermutet und noch nicht einmal in der Mitte auseinander geschnitten. Es ist ein Mutanten-Patty oder eben: Eine amerikanische Größe.

 

ANKLICKEN, wer das Ungeheuer sehen möchte...

 

Allmählich dunkelt es und wir verpacken unsere mehr als sieben Sachen. Plötzlich entdeckt Anita auf dem Boden neben dem Grill ein kleines undefinierbares Tier. Wir erkennen weder was vorne oder hinten ist, noch ob es fliegt, kriecht oder gar unangenehm springt. Es lässt sich -im Gegensatz zu uns- auch nicht aus der Ruhe bringen. Wir beschließen, dass es für sie genauso wie für uns sicherlich besser ist, wenn man sich nicht mehr begegnet und so entfernen wir es aus unserer Sicht- und ihrer evtl. Springweite.

 

ANKLICKEN: "Gute Nacht"

 

Nunmehr steht einer geruhsamen Nacht nichts mehr im Wege. Meine beiden Leuchten, Anita und die Gasfunzel, gehen ins Zelt. Und während die eine erlischt, döst die andere bald ein.

9. Tag: 

Calf Creek,UT - Moab,UT

 

Bibber, bibber: 5 Grad Celsius

 

Wir erwachen wieder einmal durch unsere Wecker im Handy. Nach mehrmaligen "Nur noch 5 Minuten" ist die "Deadline" abgelaufen, wir müssen raus. In der Nacht war es uns zwischenzeitlich ein wenig kühl, so dass ich erstmalig in diesem Urlaub die Zelteingangstür verschließen musste. Der Eindruck der Kälte bestätigt sich beim Herausklettern. Unser Gartenthermometer zeigt kalte 5 Grad an. "Da hätten wir ja gleich wieder im Winter fahren können", kommt es uns gemeinsam über die Lippen.

 

"Frühstück !"

 

Während Anita -dem klassischen Rollenklischee von Mann und Frau nicht trotzend- den Kaffee zubreitet, baue ich den Innenausbau des Zeltes zurück. Gemeinsam bauen wir anschließend das Zelt ab, was zunächst hervorragend und deutlich schneller als gestern klappt. Lediglich das Zusammenrollen erweist sich als schwierig wenn nicht gar unmöglich. Ein großer Gnubbel in der Mitte verbietet es, das Zelt in die vorgesehene Tasche zu verstauen. Eine genauere Recherche lässt Anitas Vermutung bestätigen: Ich habe noch einen Schlafsack darin vergessen!!!

Nach diesem Zwischenfall verläuft er Abbau reibungslos und nach einem kurzen Frühstück mit frischem Kaffee und nicht mehr ganz frischen Bear-Claws fahren wir weiter Richtung Moab.

 

Nach kurzer Zeit wird es -wie man sieht- deutlich wärmer !

 

Etwa 10 Meilen vor Moab halten wir an einem kleinen Campingplatz namens "Big Bend" an und reservieren für alle Plätze eine Site. Sollten wir für morgen tatsächlich keine Permit für den White-Rim-Trail erhalten, werden wir eben durchfahren und haben dann die $10 eben wortwörtlich "in den Sand gesetzt".

 

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Doch die Fahrt zum Visitor-Center ist erfolgreich, wir erhalten eine Permit für morgen und sogar auf unserem favorisierten Campsite Murphey A.

 

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Mit Elan fahren wir zurück in Richtung unseres Campground, jedoch nicht ohne einen kurzen Abstecher zum Arches, dessen Zufahrt und das Visitor Center derzeit umgestaltet wird.

 

Wasserklau !

 

Da es im Canyonlands N.P. weit und breit kein Wasser gibt, füllen wir unsere Vorräte hier im Arches N.P. auf.

 

Harry dokumentiert die Sensation, dass Anita allein (!) das Zelt aufbaut - auf eigenen Wunsch hin !

 

Und nun noch eine Premiere. Anita möchte unbedingt alleine unser altes Zelt aufbauen. Ich gewähre ihr das großzügig und beobachte sie ebenso amüsiert wie souverän. Und nutze die Zeit  sie zu filmen. Anerkennend muss ich feststellen, dass ihr der Aufbau einwandfrei gelingt.

Im Gegenzug fotografiert sie mich beim Tagebuch-Tippen.

Harry bei Denny`s 

Kein Besuch in Moab ohne einen Besuch von Denny`s. Und so kurven wir noch einmal los zum Denny`s und schlemmen:

Als gemeinsame Vorspeise: Buffalo Chicken Strips (endlich mal mit weniger dieser unbeschreibbar leckeren Soße, so dass ich es endlich mal schaffen könnte, das Lokal ohne Sodbrennen zu Verlassen)

Hauptspeise: Sirlion Steak mit Mashed Potatoes and Corn

Leider ist mein Nachtisch wegen überfüllten Magen auf der Strecke geblieben: Oreo-Shake. Vielleicht klappt es beim nächsten Besuch, wenn ich es schaffe mich zu disziplinieren und KEINE Vorspeise bestelle.

Anita beim Denny`s

Anita liest unser Tagebuch

Anita, sehr nachdebklich (oder staunend ?)

Zurück auf unserem Campground liest Anita im Laptop meine bisherigen Anmerkungen zu unserer Reise, als plötzlich eine nette aber hartnäckige Amerikanerin auf unserer Campsite erscheint und uns 100e Fragen stellt: Ob wir denn mit dem Laptop Internetanschluss haben (in der Wildnis???), was denn  das ist, was da auf unserem Tisch brennt (Anti-Mückenspirale), ob es hier Mücken gibt, wie lange wir denn bleiben (bis morgen früh!), ob sie unsere Campsite dann übernehmen kann (ja!), ob wir Zugang zum Colorado haben (ja!), ob es leicht ist, zum Colorado runter zu gehen? (Probier es doch aus!), von wo wir kommen (Germany). Sie hat zum Glück nicht gefragt, wo wir wohnen und ob unsere Wohnung derzeit unbewacht ist...

Sie war sehr erfreut zu hören, dass wir bereits seit über 10 Jahren regelmäßig in die USA reisen und große Fans des Landes sind. Hellhörig wurden wir, als sie kritisch nachfragte, ob wir denn auch jetzt noch Fans sind, wo doch Bush an der Regierung ist. Sie ist nämlich in Utah auf Wahlkampftour GEGEN Bush und macht auf die -uns teilweise unbekannten- Machenschaften von ihm aufmerksam. So hat Bushs Bruder nach ihrer Aussage in Florida wohl einfach 1500 Farbige, die potentielle Wähler seines Gegners sind, von der Wählerliste streichen lassen. Außerdem wird das bei uns in einzelnen Wahlkreisen bekannte "Electronic Voting", also Wahlmaschinen, bundesweit flächendeckend eingeführt und hier wird große Manipulation vermutet, zumindest befürchtet.

 

ANKLICKEN: Nächtliche Impressionen...

 

Nachdem sie uns verlassen hat, machen wir -nun recht nachdenklich- ein paar Fotos von unserem  (fast) Vollmond und schlafen ziemlich schnell ein.

10. Tag: 

Moab,UT - White

Rim Trail,UT

Abbau unseres Equipments

Wir erwachen früh und beginnen unser Zelt abzubauen.. Obwohl wir mittlerweile eine gewisse Routine beim Abbau unseres neuen Zeltes entwickelt haben, geht das Zusammenlegen unseres Walmart-Zeltes immer noch deutlich schneller. Innerhalb von einer halben Stunde ist alles ausgeräumt, abgebaut, zusammengelegt und verstaut. Währenddessen kommt bereits unsere Amerikanerin von gestern vorbei, misst unseren Zeltplatz aus um zu überprüfen, ob ihr Motor-Home hin passt, und führt ihre Befragung von gestern fort: Wo wir denn heute hinfahren (das hatten wir ihr gestern schon erklärt!), wo denn Osten ist (damit sie weiß, wo die Sonne aufgeht) usw.

Nach einigen Fragen entziehen wir uns ihrer nicht endend wollenden Neugierde und fahren nach Moab rein, um zu Tanken, Frischfleisch zu erstehen und Eis für die Kühlung zu erwerben.

 

ANKLCKEN: Fahrt ins Canyonland

 

Vollbepackt fahren wir Richtung Canyonlands, um unmittelbar hinter der Einlassstation zum White Rim Trail abzubiegen, diesmal -wie gewohnt- über den Shafer Trail. 

ANKLICKEN: Bilder vom Abstieg

Die Fahrt verläuft ruhig, weil mittlerweile routiniert. Eigentlich hatte ich den Trail schlimmer in Erinnerung, so fahre ich relativ entspannt vor mich hin, um leider doch aufzusetzen.

Das liegt einzig an meiner Schusseligkeit. Ein großer Stein zwischen den beiden ausgefahrenen Reifenspuren war offensichtlich doch höher als erwartet. Mit Konzentration wäre das wohl nicht passiert.

Und so stürz wir beide nach den beiden "Plongs" aus dem Wag und kriechen halb drunter. Offensichtlich und zum Glück kein nennenswerter Schaden. Einmal hat es wohl die Quertraverse erwischt, das zweite Mal den Tank, der jedoch sicher hinter einem Schutzblech weilt.

Am Whitecrack-Campground biegen wir vom White Rim Trail erstmalig ab, um uns den Campground anzusehen. Er ist recht beliebt und wir erkennen auch warum. Im Gegensatz zu den misten anderen Campgrounds des White Rim Trails liegt er nicht "mitten in der Pläne" sondern landschaftlich sehr schön mit einem beeindruckenden Panorama.

Wenn wir auch Murphy A favorisieren, so ist er doch zukünftig eine gute Alternative, wenn Murphy einmal occupied ist.

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Gegen 17Uhr erreichen wir unser Tagesziel, den Campground Murphy A, der uns ja bereits sehr vertraut ist. Wir bauen wieder unser kleines altes Zelt in nur wenigen Minuten auf. Anschließend wird wieder geduscht und viel fotografiert. Nach unserer Berechnung wird heute Vollmond sein, vielleicht gibt es noch mehr Futter für die Kamera. Anita meinte gestern noch "Wäre ja der `Hammer`, wenn der Vollmond genau über dem angeknabberten Gebirgszug  steht". Nicht dass Anita und ich stets ans Essen denken, ganz im Gegenteil, die Stelle sieht aber tatsächlich so aus, als hätte irgendjemand vor vielen Jahren einmal Hunger gehabt und einmal kräftig an dem Gebirge abgebissen.

Diese ungewöhnliche Felsformation dienst uns seit Jahren als markantes Zeichen und somit als Orientierungshilfe.

 

ANKLICKEN: Panoramaaufnahme (160kB)

 

Vom traumhaften Panorama erstelle ich erstmalig eine Panoramaaufnahme, die ich gerne bearbeitet ins Netz stellen möchte.

 

Anita bei der Vorbereitung des BBQ

 

Anita bereitet unser BBQ vor, diesmal sechs hauchdünn beschnittene Steaks (anderes gab es diesmal nicht im Laden). Sechs Steaks hört sich sehr viel an, sie haben jedoch eine so geringe Dichte, dass sie auch als Aufschnitt untergehen könnten.

 

Inprovisierter Tisch

 

Während wir genüsslich unseren "Brotbelag" mit Käse-Mais-Salat und American Beans verspeisen, kommt ein Jeep angefahren, aus dem ein Mann kriecht und unsere Richtung ansteuert. Wir machen uns ein wenig salonfähig und sind bereit, unsere Steaks mit auf Messers Schneide zu verteidigen. Statt auf unsere Steaks hat es er nur auf den Campground abgesehen und fragt erstaunt, ob wirklich dies alles nur Murphy A ist. Wir bestätigen dies und er erkundigt sich, wo denn Murphy B liegt. Wir erklären es ihm -wieder einmal mit vereinten Kräften. So dann verziehen er und sein Jeep sich und ward nicht mehr gesehen.

 

Wir am "Stein der Weisen"

 

Am romantischen Lagerfeuer unserer Gaslaterne, die auf dem großen Stein steht, beratschlagen wir -genau wie vor einem Jahr mit Michael- die weitere Vorgehensweise. Wir werden ihn (den Stein) zukünftig "Stein des Weisen" nennen, da uns hier für gewöhnlich gute Ideen kommen.

 

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Während sich die Sonne senkt und wir zwei so sitzen und reden und denken sehe ich im Augenwinkel etwas grandioses, was mir die Sprache verschlägt:

 

 

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Der volle Mond geht auf, und zwar genau in der angeknabberten Stelle. Das ist der Freibrief für ein tolles Shooting. Und plötzlich taucht in der Ferne auch unser Camp-Nachbar auf, der offensichtlich wegen des Mondes hier her gekommen ist und ebenfalls hemmungslos schießt.

 

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Nach dieser unglaublich imposanten Einlage des Mondes verziehen wir uns bald in die Feldern, nicht ohne noch kurz uns darüber einig zu werden, dass der morgige Zeltplatz Windwhistle sein wird, wo wir letztes Jahr bereits einmal waren und wo es lt. Camping-Host das beste Wasser Utahs geben soll.